Außenansichten im Depot in Silver Hill

Die Junkers Ju 388 des National Air and Space Museums liegt zerlegt im Depot. Bis vor ein paar Jahren befand sie sich im Building 7 der Paul E. Garber Facility in Silver Hill, Maryland, und war bei Führungen nicht zu sehen. Mittlerweile wurde der Rumpf auf einen neuen Metallständer gesetzt, gesäubert und in ein anderes Gebäude gebracht. Dort wartet die Maschine nun seit längerem auf ihren Transport zum neuen Zweigmuseum am Dulles Airport. Die Hallen in Silver Hill sind ausnahmslos eng und dunkel, so daß es recht schwierig ist, gute Aufnahmen zu machen. 

Eine meiner schönsten Außenaufnahme ist folgende Fotografie der Cockpitsektion. An der Stelle, an der das Cockpit in den Rumpf übergeht, sieht man das Periskopvisier PVE 11, das zum Ausrichten der Waffen des Heckstandes benutzt wurde. Rechts unterhalb ist eine halboffene Wartungsklappe. Man erkennt darunter deutlich die Umrisse der Tragfläche, wohl weil die Maschine in den USA mindestens einmal überspritzt wurde. Der Anstrich ist verwittert, da die Maschine in Silver Hill zunächst im Freien gelagert war. Innerhalb der Umrisse der Tragflächen sieht man zwei der vier Kugelverschraubungen für die Tragflächen sowie die Anschlüsse für Steuerung, Kraftstoff, Schmieröl etc.

In der neuen Halle und von der anderen Seite sieht das ganze folgendermaßen aus:

Man erkennt in der rechten Cockpitwand die Öffnung für die Leuchtpistole, die - wegen der Druckkammer - von innen mit einem Gummistopfen verschlossen war. Noch besser erkennt man dieses Detail - zusammen mit anderen Feinheiten des Cockpits - auf dem folgenden Foto:

Kommen wir zum vierten Bild unseres Rundganges. Es zeigt den Rumpf auf Höhe des von der Ju 88 übernommenen Spornrades. Das Spornrad ist voll einziehbar. Seine Lauffläche besteht aus elektrisch leitfähigem Gummi. Dies hat folgenden Grund: Durch Reibung mit den Luftmolekülen lädt sich der Rumpf während des Fluges elektrisch auf. Dabei entstehen sehr hohe Spannungen. Durch die Verwendung leitfähigen Gummis erfolgt bei der Landung eine sofortige Erdung. Flugzeugrumpf und Erde befinden sich danach wieder auf dem selben Potential. Wäre dies nicht der Fall, so könnten die hohen Spannungen der aussteigenden Besatzung gefährlich werden oder beim Wiederauftanken als Zündfunke für den Treibstoff dienen und Brände verursachen.
Die rote Warnaufschrift lautet: "Schleppen nach Rückwärts nur auf Betonplatte. Nicht anrucken. Schäkel benutzen". Rechts neben der Aufschrift steht eine Wartungsklappe wohl für die Steuerung offen. Am oberen Bildrand sieht man, wo das Höhenruder sitzt.

Werfen wir einen Blick auf den Heckstand FHL 131 Z. Die Waffen waren wohl niemals installiert. Der Heckstand dient der Verteidigung des Flugzeuges nach hinten und wird vom Cockpit aus ferngesteuert. Zum Richten der Waffe und Anvisieren des Ziels dient das bereits erwähnte Periskopvisier PVE 11, eine Gemeinschaftsentwicklung von Junkers und Zeiss. Ferngesteuerte Waffentürme wurden im Zweiten Weltkrieg bei mehreren deutschen Flugzeugen, so z.B. in der Messerschmitt Me 410, der Arado Ar 240 und der Heinkel He 177 eingesetzt. Sie erwiesen sich jedoch in vielen Fällen als sehr störanfällig.

Sie werden sich sicher fragen, wo denn die Tragflächen geblieben sind. Ich habe dazu folgendes Foto ausgegraben. Es zeigt die Tragflächen, die Höhenruder und das Seitenleitwerk. Letzteres wird allerdings vom Höhenleitwerk fast vollständig verdeckt. Außerdem sieht man eine der unteren Triebwerksverkleidungen des BMW 801 TJ-0 mit dem außenliegenden Ansaugschacht.

Das folgende, Ende März 2005 aufgenommene Foto zeigt die rechte Tragfläche nochmals etwas deutlicher, die US-Kennung T2-4010, mit der die Maschine in den USA geflogen wurde, ist sehr gut zu erkennen, ebenso die Antenne für das FuG 217.  Um Beschädigungen vorzubeugen, ruht die Triebwerksverkleidung jetzt auf kleinen Schaumstoffpolstern.

Mit diesem Foto wollen wir unseren Rundgang beenden. Wenn Sie hier klicken, kommen Sie zur Hauptseite zurück.

© 18.10.2026 by Christoph Vernaleken. This article may not be published - as whole or in excerpts - in any form without written permission of the author